Heute Abend um 20:15 Uhr auf NDR:
Irland
"Meere, Moor und grüne Hügel"

Irland mit seinen düsteren Mooren, einsamen Stränden, seinen Ruinen, Steinzeitgräbern und Pilgerstätten wirkt wie eine uralte Welt, unberührt und zeitlos - eine Postkartenidylle. Doch das überraschend bunte Mosaik seiner Landschaften erzählt von ständiger Bewegung und Veränderung. Gewaltige Kräfte waren am Werk und formten die Insel.

Irland ist ein junges Land. Erst die Gletscher der Eiszeit gaben ihm die heutige Gestalt, machten es zu einer Insel. Als die Gletscher vor rund 10.000 Jahren schmolzen und der Meeresspiegel stieg, überfluteten die Landbrücken zwischen Irland und dem

Festland - Reste versunkener Wälder vor Irlands Ostküste zeugen noch heute davon. Isoliert von ihren Verwandten auf dem Festland entwickelten einige Tiere Irlands allmählich neue Rassen und Arten, etwa die Irländische Wasseramsel. Andere wie Schlangen und Maulwürfe schafften den Wettlauf mit dem Wasser nach der Eiszeit nicht und gelangten nie auf die Insel.

Nach Kälte und Eis setzten Wind und Wasser der Insel zu, zerfurchten etwa die Mourne-Berge, an deren Steilwänden Wanderfalken brüten. Moore, scheinbar unverändert seit Jahrhunderten, wuchsen nach einer Klimaveränderung und begruben ganze Siedlungen. Eine der rätselhaftesten Landschaften ist der Burren, ein zerklüftetes Kalksteinplateau im Nordwesten. Gebildet aus unzähligen Muscheln und Korallen eines Urzeitmeeres speichert er die Hitze der Sommersonne viele Monate und wird so zu einer idealen Winterweide. Jahrhundertelang trieben die Bauern ihr Vieh auf den Burren, hielten ihn frei von Wald und schufen so einen einzigartigen Steingarten: nur ein Beispiel, wie Menschen als Meister im Landschaftsbau auf Irland einwirkten. Sie gestalteten die Landschaft zu ihrem Nutzen und gaben ihr das heutige Gesicht. Gemeinsam mit uralten geologischen und natürlichen Kräften schufen sie ein Kunstwerk: Irland, die "Grüne Insel".